Langfristige Förderung von Lernkompetenz
Vor dem Hintergrund bundesweiter Diskussionen über Bildungsqualität, individuelle Förderung und den veränderten Lernbedingungen in einer zunehmend digitalen Welt gewinnt das Thema selbstreguliertes Lernen weiter an Bedeutung. Am Städtischen Gymnasium Straelen wird dieser Ansatz seit einigen Jahren systematisch in der Schulentwicklung verankert – nun wurde er im Rahmen eines Pädagogischen Tages weiter vertieft.
Als Referent war Prof. Dr. Ferdinand Stebner von der Universität Osnabrück zu Gast. Der Erziehungswissenschaftler forscht unter anderem zur Förderung selbstregulierten Lernens und zur Frage, wie Schülerinnen und Schüler Lernprozesse bewusst steuern können. Auch die Nationale Akademie Leopoldina sowie die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz empfehlen, entsprechende Kompetenzen stärker im Schulalltag zu verankern. „Selbstreguliertes Lernen heißt nicht freies Arbeiten ohne Struktur“, betonte Stebner in Straelen. „Es geht darum, dass Schülerinnen und Schüler lernen, sich Ziele zu setzen, geeignete Strategien auszuwählen und ihren Lernprozess bewusst zu reflektieren.“ Entscheidend sei dabei die sogenannte Metakognition – das Wissen über das eigene Lernen. „Wenn ich kein Ziel habe, kann ich es nicht erreichen.“ Zugleich verwies Stebner darauf, dass strukturierte Lernprozesse auch die Motivation stärken können. Wer eigene Ziele formuliere, Fortschritte erkenne und Erfolge bewusst wahrnehme, erlebe mehr Selbstwirksamkeit – ein Faktor, der gerade bei Jugendlichen eine zentrale Rolle spiele.
Am Gymnasium Straelen wird dieser Ansatz bereits praktisch umgesetzt. In der Unterstufe wurde das Fach „So Geht Lernen“ eingeführt. Dort beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler regelmäßig mit Zeitmanagement, Lern- und Motivationsstrategien und Reflexion. Auch in der Oberstufe werden Workshops zum selbstregulierten Lernen angeboten. Künftig soll das Konzept schrittweise auf die Mittelstufe ausgeweitet werden. Schulleiterin Kerstin Schneider beschreibt die Initiative als „zukunftsweisend für unsere Schulkultur“. Sie betont: „Wir wollen keine oberflächlichen Tipps vermitteln, sondern die Lernkompetenz nachhaltig stärken.“ Stebner verwies darauf, dass Trainingsprogramme nachweislich Wirkung zeigen können – sofern sie langfristig angelegt und fächerübergreifend umgesetzt werden. In Straelen versteht man das Thema daher nicht als Einzelprojekt, sondern als Teil einer kontinuierlichen Schulentwicklung. Damit setzt das Gymnasium Straelen ein Zeichen für eine Lernkultur, die planendes, reflektiertes und eigenverantwortliches Lernen systematisch stärkt.
Franziska Bohn
