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Zu Gast bei Lesung der Autorin Juna Grossmann

in Geldern

Zwei unserer Schüler haben sich die Mühe gemacht, ihre Eindrücke von der Lesung Juna Grossmanns in einem Text darzulegen:

"Schonzeit vorbei. Über das Leben mit dem täglichen Antisemitismus" - Das ist der Name des von der jüdischen Bloggerin Juna Grossmann geschriebenen Buches, in dem sie ihre persönlichen Erfahrungen und die Erfahrungen einiger jüdischer Freunde mit Antisemitismus im heutigen Deutschland schildert. Frau Großmann arbeitete über viele Jahre in Gedänkstätten und Museen, engagiert sich bei „rentajew.org“ und betreibt den Blog „irgendwiejuedisch.com“.
Im Rahmen einer von der VHS Gelderland organisierten Lesung am Lise-Meitner-Gymnasium
in Geldern war es uns, der Q1 des Städtischen Gymnasiums Straelen und weiteren Schülern des Friedrich-Spee- und des Lise-Meitner-Gymnasiums, möglich, am 19.11.2019 mehr über Frau Grossmann und ihr Buch zu erfahren und einen Einblick in das Leben einer in der Öffentlichkeit arbeitenden deutschen Jüdin zu erhalten.

Auch wenn man meinen könnte, dass sich das Leben der nach eigener Aussage zwar religiösen, aber wenig an Rituale gebundenen Jüdin wenig vom eigenen unterscheidet, übersieht man dabei einen entscheidenden Punkt: Den zunehmenden Hass auf Juden in Deutschland, der für Angst und ein Gefühl der Unsicherheit in der deutsch-jüdischen Gemeinschaft sorgt. Laut Frau Grossmann nahm die Zahl der verbalen Angriffe auf sie seit den Protesten wegen des Gaza-Konflikts seit 2014 stark zu und „Gespräche übers Weggehen sind wieder normal geworden“, womit sie vor allem die mögliche Ausreise in das überwiegend jüdische Israel meint. Dabei sei es ihr jedoch wichtig zu betonen, dass Juden in der Regel nicht automatisch Israelis seien. Laut Grossmann geschehe dies nämlich relativ häufig und Juden würden genötigt über den anhaltenden Palästina-Konflikt zu sprechen, obwohl er sie nicht direkt betreffe.
Darüber hinaus erleben Juden häufig auch direkte Anfeindungen und werden von rechten Gruppen als Teil verschiedenster Verschwörungen gesehen. So auch Grossmann, der - einzig aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum Judentum - schon für verschiedenste Dinge die Schuld gegeben wurde und die schon manch einer fragte, weshalb sie, eine gebürtige Deutsche mit deutschen Eltern, nicht „zurück“ nach Israel ginge. Ihr zufolge habe sie sogar schon ''Freunde'' verloren, als herauskam, dass sie Jüdin ist.
Neben solch offensichtlichen Anfeindungen gibt es laut Grossmann aber auch indirektere Formen der Unterdrückung, wie Benachteiligung bei der Jobsuche.
Sie äußerte ihre Sorge, dass sich Rechte heute wieder mehr trauen würden und auch die Quantität von Hasspost drastisch zunehmen würde.
Grossmann nannte den Antisemitismus einen „Angriff auf die ganze Gesellschaft“, da er nicht nur den Juden schaden würde, sondern auch das gesamte soziale Klima vergiften und Risse in ein friedliches Zusammenleben bringen würde.
Auch wenn sich Grossmann, die in der DDR aufwuchs, manchmal frage, weshalb sie sich der Gefahr aussetze Ziel rechter Übergriffe zu werden, wies sie darauf hin, wie wichtig ihr die in ihrer Kindheit nicht vorhanden gewesene Meinungsfreiheit sei und wolle daher trotz Angst vor Gewalt nicht aufgeben und weiterhin Aufklärung betreiben.

Zum Schluss eine Botschaft, die ich direkt von Frau Grossmann übernehmen möchte:
„Solidarität hilft!“ - Wenn Hass einen selbst trifft, ist dies nur schwer zu verarbeiten, doch wenn sich nur einer für sein Gegenüber erhebt und ihn in Schutz nimmt, so kann dies wahre Wunder im Kampf gegen Ausgrenzung bewirken.


-Nils Arians, 21.11.2019

 

Am Dienstag den 19.11.19 ist die Q1 zu einer Lesung, von Juna Grossmann in die Aula des Lise-Meitner-Gymnasiums in Geldern gefahren.
Juna Grossmann ist die Autorin des Buches „Schonzeit vorbei“, in dem sie über Erfahrungen schreibt, die sie selbst und Freunde von ihr, in ihrem Alltag als Juden, mit Antisemitismus gemacht haben.
Während der Lesung führte sie mehrere Situationen an, in denen sie beleidigt oder bedroht wurde. Teilweise kamen aber auch Beispiele vor, in denen die Personen sich ihres falschen Verhaltens nicht bewusst waren. So erzählte sie sowohl davon, was für Hassposts sie in den Kommentaren unter ihren Blogs lesen muss, als auch davon, dass sie während ihrer Arbeitszeit im jüdischen Museum in Berlin, von älteren Menschen darauf angesprochen worden sei, warum sie nicht nach Israel in die „Heimat“ zurückginge, ohne dass diese Menschen sich der Absurdität dieser Frage bewusst gewesen wären.
In der anschließenden Fragerunde im Plenum und dem Interview äußerte sie sich noch weiter zu ihrem Standpunkt zu der momentanen Lage in Deutschland und ihrem eigenen privaten Leben als Jüdin.    
Auf die Frage eines Schülers, ob sie sich viel mit Israel auseinandersetze, antwortete sie, dass sie sich zum einen von der Gesellschaft dazu gezwungen fühle, sich mit diesem Thema zu befassen, eben, weil sie so oft darauf angesprochen würde, sie sich aber auch schon freiwillig darüber nachgedacht habe, aus Deutschland auszuwandern, weil sie sich nicht mehr sicher fühle.
Auch zum Thema Sicherheit und Vertrauen zeigte sie einen klaren Standpunkt. Im Interview berichtete sie, dass das Urvertrauen, das sie einst in Deutschland hatte, dass nach der NS-Zeit ein erneutes Wachsen von Antisemitismus hier nicht mehr möglich wäre oder verhindert werden würde, nicht mehr da sei. Mittlerweile möchte sie Deutschland nicht mehr ihre Heimat nennen, sondern nutzt ausschließlich das Wort Zuhause. Für eine Heimat fehle ihr die Sicherheit, dass gegen die aktuellen Entwicklungen und den Hass, den sie täglich zu spüren bekommt, etwas getan würde.
Sie berichtete aber auf Nachfrage auch davon, dass sie durch das Projekt „Rent a jew“ und ihr Auftreten in der Öffentlichkeit weiterhin darauf hoffe, mehr Aufmerksamkeit auf das Problem des wachsenden Antisemitismus ziehen zu können und dies zu ändern.
Ihrer Meinung nach verschlechtere sich die Lage für Juden in Deutschland momentan rapide, aber es gäbe noch Möglichkeiten dies zu ändern, indem das Thema mehr Aufmerksamkeit bekomme und besser reflektiert und aufgeklärt würde.

-Willow Reichenbach