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Düzen Tekkal in Geldern

SuS des SGS besuchten einen Vortrag von DüzenTekkal

© Karl-Heinz Pasing VHS

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Demokratie leben

Die Konrad-Adenauer-Stiftung bot auch in diesem Jahr zusammen mit der Volkshochschule Gelderland eine Sonderveranstaltung zu einem aktuellen Thema an. Die Fernsehjournalistin, Autorin, Redakteurin und Kriegsberichterstatterin DüzenTekkal befasste sich am 30. Januar 2018 in einer ausschließlich für Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen vorgesehenen Vortragsveranstaltung mit dem Themenschwerpunkt „Demokratie leben – Einwanderungsland Deutschland“. Diese Veranstaltung war bereits lange vor dem 30.01. mit rund 700 Anmeldungen ausgebucht. So nahm auch das SGSmit circa 150 Schülerinnen und Schülern an dieser Veranstaltung teil und wurde durch die Jahrgangsstufen Q1 und Q2 vertreten.

DüzenTekkal, die als kleines Kind sein wollte wie alle deutschen Kinder – wie sie ganz zu Beginn der Veranstaltung verriet –, weiß wovon sie spricht, wenn sie für demokratische Werte wirbt, die für viele Menschen mit Migrationshintergrund nicht selbstverständlich sind. Die Vermittlung demokratischer Werte wie beispielsweise Meinungs-, Religions- und Pressefreiheit sind der Journalistin wichtiger als religiöser Eifer. Die Jesidin reiste erstmals 2014 in den Irak und erlebte schon beim Flug – von dem ihr mehrmals abgeraten wurde – wie ernst die Situation ist. „Sie schalteten alle Lichter des Flugzeugs aus. Als ich fragte, warum sie das taten, sagte mir eine Flugbegleiterin, dass es nötig sei, damit das Flugzeug nicht beschossen wird. Erst da bekam ich wirklich Angst und zweifelte kurz an meinem Vorhaben.“, erzählte DüzenTekkal dem gebannten Schüler-Publikum.Auch die Gewalt des IS erlebte die Kriegsberichterstatterin mit und hielt alles 2015 in ihrem Dokumentarfilm „Hawar – Meine Reise in den Genozid“ fest. Erst vor vier Monaten reiste die Journalistin das letzte Mal in den Irak. Bei dieser Reise traf sie auf viele 14-jährige Mädchen, die vom IS zu Müttern gemacht wurden. Zudem erzählte sie eine Geschichte, die von einer Frau handelt. Eine wahre Geschichte einer Vollwaise, die in Gefangenschaft des IS geraten war und heute in Deutschland in Sicherheit wohnt. Sie erzählte davon, dass diese Frau an den Ort zurückwollte, an dem sie gefangengenommen wurde. DüzenTekkal unterstützte und begleitete diese Frau an diesen Ort und brachte dem Publikum ihre Bewunderung für diese Frau nahe, die an diesem Ort stand und sagte: „Ich bin stärker als der IS“.

Nachdem DüzenTekkalein wenig über ihre Familie (Eltern & 10 Geschwister), die sie unterstützen, erzählt hatte, ermutigte sie die Schülerinnen und Schüler dazu ihr Fragen zu stellen. Zunächst meldeten sich nur wenige sehr zögerlich, aber mit der Zeit und den ersten drei Fragen lockerte sich die Situation auf und immer mehr Schüler meldeten sich mit ihren Fragen. Die Jesidin erzählte von Todesdrohungen die sie erhalten hat, einige davon mit Fotos von kopf- und armlosen Frauen mit der Unterschrift „Pass auf dich auf!“. Sie erhielt sogar Drohungen aus Deutschland, die ihr zeigten, dass man auch in Europa nicht unbedingt sicher ist, da man nur im Krieg wirklich weiß wer der „Feind“ ist. Dieses Wort benutzte sie während des ganzen Tages in keinem Zusammenhang. Sie redete immer von verschiedenen Sichtweisen, aber niemals von „Feinden“.  Jedoch sprach sie auch niemals von „unseren Leuten“, denn die gibt es ihrer Meinung nach nicht. „Verrat findet auch unter eigenen Leuten statt.“, so Tekkal.

Außerdem ist DüzenTekkal der Meinung, dass der Fokus auf der Herzbildung liegen sollte, und das beispielsweise in Form von Pressefreiheit und Frauenrechten (etc.). Denn „es ist nicht selbstverständlich sagen zu können, was man will“.

„Krieg macht ehrlich – man schaut genauer hin.“ – ein Satz, der viele Schüler beschäftigte. Doch er sprach für sich selbst und musste nicht näher erläutert werden. Jedoch fragte eine Jesidin aus dem Publikum, wie sie mit den Vorurteilen umgehen soll, die sie Tag für Tag erfährt. DüzenTekkal, die selbst mit Vorurteilen zu kämpfen hatte, obwohl sie in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, gab ihre Tipps: „Lass dich nicht aufhetzen und provozieren. Sprich die Leute darauf an, rede mit ihnen darüber. Gehe nicht mit den Schmerzen nach Hause. Dadurch, dass du darüber sprichst entfaltest du dich selbst und es macht dich psychisch stärker. Hab den Mut. Du bist stark!“

Nach der Veranstaltung hatten einige Schülerinnen und Schüler, die die Schülerzeitungen der Schulen vertraten, die Chance noch einmal persönlich mit DüzenTekkal zu sprechen und sie zu interviewen. Viele Fragen der jungen Journalisten bezogen sich auf die Religion als öffentliches Dominanzverhalten und Tekkals Meinung dazu. Die Autorin äußerte sich sehr kritisch zu diesem Thema, denn „Religion sollte nie als Grund benutzt werden“. Sie wird erst dann gefährlich, wenn sie politisiert wird. Zudem spricht die Autorin sehr für das selbstständige Denken: „Religion darf nicht den ganzen Menschen definieren“. Stattdessen müssen wir den „German-Dream“ definieren und um die „Problemkids“ kämpfen, auf die man mit Verständnis zugehen soll. „Wir müssen die besseren Sozialarbeiter werden“, so die Journalistin. Natürlich kamen auch Fragen bezüglich der Flüchtlingspolitik auf. DüzenTekkal sprach sich mehrmals für Angela Merkel aus, die sie als „tolle Frau“ bezeichnete. Merkel habe es sich nicht einfach gemacht, aber das sei auch sehr schwer in diesem Themenfeld, denn einfach ist es nie. Jedoch kritisiert Tekkal den Staat, denn das Ehrenamt lässt viele Leute im Stich und das Schulwesen wird politisch ebenfalls im Stich gelassen.Tekkal fordert: „Bildungsoffensive!!!“. Doch bis das durchgesetzt wird, kann jeder etwas tun. „Politik ist für die Jugend.“ Denn die Demokratie ist bedroht. Und zwar durch die Medien, die einen „Psychokrieg“ veranstalten, da sie nicht neutral berichten und immer eine Seite des Konflikts medial angegriffen wird. Deshalb fordert DüzenTekkal mehr Mut: „Jeder hat eine Stimme. Es ist die Macht des Einzelnen. Und Macht heißt, anderen helfen zu können. Schreibt über eure Gedanken und Fragen, erzählt anderen davon, unterhaltet euch, stellt Fragen. Ihr seid keine einfachen Bürger. Unterschätzt euch nicht!!“

 

Von Lara Paasen

Wenn ihr die Aktivitäten von DüzenTekkal weiterhin verfolgen wollt, dann könnt ihr das auf ihrer Website, aber auch über die sozialen Netzwerke tun:

 

Website: www.duezentekkal.de

 

https://twitter.com/DuezenTekkal

 

Natürlich könnt ihr sie auch persönlich kontaktieren:

Email: info(at)duezentekkal.de