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Hier wird geslamt

Deutsch LK und Literaturkurs Q1

Chicago, 1986: Marc Kelly Smith veranstaltet einen Abend für Lyriker und Dichter, damit sie ihre Werke vor einem kleinen Publikum im alten Jazz-Klub ,,Green Mill Jazz Club’’ aufführen können. Die Vorstellung trug damals den außergewöhnlichen Namen ,,Original Chicago Uptown Poetry Slam’’ und war die erste ihrer Art. Heute ist sie weltweit bekannt als ,,Poetry Slam’’, Wettbewerb für Hobbydichter und professionelle Kreativkünstler.


Straelen, Raum A20 am Städtischen Gymnasium Straelen, Mittwoch den 28.Oktober 2020. Der erfahrener Poetry Slammer Malte Küppers erzählt uns, dem Literaturkurs und dem Deutsch-LK, geleitet von Frau Cürlis und Frau Bohn, von seiner Arbeit. Selber ging er vor zwölf Jahren auf unsere Schule, machte hier sein Abitur und fand durch das Schreiben und Dichten schnell in die Welt des Poetry Slams. An diesem Tag fängt er an, uns in diese Welt zu führen. Beim Poetry Slam-Auftritt könne man nahezu alles machen, fing er an. Fünf bis sechs Minuten bleiben dir, dich über die Politik aufzuregen, über den Sinn des Lebens zu philosophieren, von deinem Alltag zu erzählen oder eine selbstgeschriebene Kurzgeschichte vorzulesen, selbst fünf Minuten lang Chewbacca aus Star Wars stimmhaft zu imitieren ist auf der Bühne des Poetry Slams völlig legitim, so Malte. Ist jemand besonders gut, fällt der Applaus des Publikums lauter und üppiger aus. Nach dem Geräuschpegel wird später auch der Sieger des Abends gekürt mit ,,unnötigem Ramsch als Preis’’, wie Malte es formuliert.
Die einzigen Regeln sind: Keine Beleidigungen und Requisiten und Kostüme, bzw. Maske; Körpersprache und Stimme sind genug Instrumente für den Auftritt. Ersteres erklärt sich von selbst, denn der Poetry Slam ist eine Veranstaltung von Literaturfans für Literaturfans mit Kreativität, Poesie und Humor, kein Platz für Hassrede und Hetze. Er bietet die Möglichkeit, seine Gedanken und Gefühle mit anderen zu teilen, in welcher Form auch immer: ,,Probiert euch aus, die Leute sind ja gezwungen euch zuzuhören.’’, wie Malte es einmal auf den Punkt brachte. Wer aus eigener Überzeugung, eigenem Willen und eigener Freude Texte schreibt und diese mit Elan und Kraft in der Stimme vorträgt, der wirkt authentisch und wird die Leute für sich gewinnen. Das sei das Wichtigste an seinem Job, erklärt Malte immer wieder: ,,Man muss ein Gedicht nicht verstehen, man muss es fühlen.’’ So kann man sich regelrecht hoch slammen, beim kleinen Schulforum angefangen, über die Hallen in Köln, Düsseldorf und Hamburg, bis hin zu Bühnen mit tausenden Menschen davor.
Gegen Ende der ersten Stunde mit Malte, las dieser und ein paar von seinen Geschichten vor, um Anreize zu schaffen, uns selbst an die Arbeit unseres eigenen Poetry Slam-Textes zu machen. Als Vorbereitung darauf machte er mit uns am 4. November in der zweiten Stunde klassische Fingerübungen zur Ideenfindung für unsere Poetry Slams. Als erstes, willkürlich Themen in den Raum werfen. ,,Essen’’, ,,Kreativität’’, ,,Alltag’’ und ,,Sinn des Lebens’’ sind nur wenige Beispiele, welche später gesammelt auf der Tafel standen. Als kleinen zusammenhängenden Text sollten wir dann möglichst viele Reime auf ,,dicke Fliege’’ finden. Ein wildes Durcheinander von ,,schicke Siege’’, ,,flicke Riege’’, ,,erblicke Liege’’ und vielen weiteren Formulierungen mit mehr oder weniger Sinn dahinter.
In der dritten und bis jetzt letzte Stunde am 11. November ging es um unseren Auftritt selbst, wie habe ich mich zu präsentieren, wie trage ich meinen Text möglichst passend vor und wo sollte ich Betonungen und Pausen einbauen. Die Übung war, dazu Textpassagen aus einem Buch möglichst emotional und theatralisch überzogen zu performen mit unserer Gestik, Mimik, ausholenden Arm- und Handbewegungen, mal traurig, danach empört, möglichst erregt, enthusiastisch oder verunsichert, je nachdem was der Kurs vorschlug.
Für den nächsten Mittwoch, den 18. November, heißt es dann Showtime. Wir alle stellen dem Kurs vor, was wir die Woche über geschrieben haben, ganz nach den Regeln des Poetry Slams mit fünf Minuten Redezeit und ohne Hilfsmittel.
Obwohl viele der Idee eines eigenen Poetry-Slam Textes anfangs skeptisch gegenüberstanden, hat uns Malte recht schnell klargemacht, dass unsere Texte nicht jedem gefallen, sie nicht in hochgestochenem Deutsch geschrieben und auch nicht perfekt sein müssen. Man solle das schreiben, wovon man selber überzeugt und begeistert ist, nicht das was andere von einem hören wollen. Man sollte selber herumexperimentieren und schließlich seinen eigenen Stil finden, das mache einen guten Poetry Slam-Text aus.
Jetzt freuen wir uns darauf, in der nächsten Stunde die Texte unserer Mitschüler zu hören und unsere eigenen vorzustellen. Jeder soll die Möglichkeit bekommen, seinen eigenen, ganz persönlichen Poetry Slam Auftritt vor dem Kurs zu präsentieren und Feedback zu erhalten, vom Profi selbst. Malte Küppers, vielen Dank! Und unser Dank gilt natürlich auch dem Förderverein, der uns Schülern solche Veranstaltungen immer wieder ermöglicht und dank welchem die große Welt der Kunst zu uns ins kleine Straelen gelangen konnte.

von Jan Bonnekessen