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Erfolgsgeschichte wird fortgesetzt: Juniorwahlen gehen in die zweite Runde

Nachdem im vergangenen Mai die SchĂŒler des Jahrgangs 9 des StĂ€dtischen Gymnasiums Straelen ĂŒberaus erfolgreich an den Juniorwahlen zur Landtagswahl teilgenommen haben, geht es mit Schuljahresbeginn mit allen 229 SchĂŒler der Oberstufe in die zweite Runde: die Teilnahme an den Juniorwahlen zur Bundestagswahl 2017, die in der Woche vom 18. – 22. September 2017 durchgefĂŒhrt wird.

Bei den Juniorwahlen ĂŒbernehmen die SchĂŒler nach inhaltlicher Vorbereitung der Wahlen im Unterricht alle Aufgaben selber: Die Zusatzkurse Sozialwissenschaften in der Q2  stellen Wahlhelferinnen und Wahlhelfer, die die Wahl mithilfe des betreuenden Lehrers Herrn Scharmann organisatorisch vorbereiten: von der Bildung eines Wahlvorstandes ĂŒber das Versenden der Wahlbenachrichtigungen, die Anlage eines WĂ€hlerverzeichnisses, das Aufstellen von Wahlkabinen und Wahlurne entsprechen die Vorbereitungen denen der „echten“ Wahlen. Die DurchfĂŒhrung der Wahl erfolgt dann – mit einem Unterschied - ebenfalls wie bei der Bundestagswahl: Die Teilnahme an der Wahl ist freiwillig, die SchĂŒler weisen sich aus und legen ihre Wahlbenachrichtigungen vor, bevor sie einen Stimmzettel enthalten, der optisch dem der Bundestagswahl entspricht. Der Unterschied liegt darin, dass die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler in den Mittagspausen außerhalb des Unterrichts und nicht am Sonntag wĂ€hlen. Im Anschluss an die Wahlen gleichen die Aufgaben der Wahlhelfer denen der offiziellen: Stimmen mĂŒssen ausgezĂ€hlt werden, die Bekanntgabe des Ergebnisses darf allerdings erst nach Schließung der Wahllokale am 24. September 2017 erfolgen.

Die Juniorwahl ermöglicht den SchĂŒlern das spielerische Kennerlernen der Verfahren der parlamentarischen Demokratie und ermöglicht die Teilnahme an Wahlen, bevor die VolljĂ€hrigkeit erreicht ist. Und diese „politische Partizipation ist uns wichtig, auch wenn wir dafĂŒr einen hohen organisatorischen Aufwand betreiben mĂŒssen“, wie Herr Scharmann schon im Anschluss an die Juniorwahlen zur Landtagswahl formulierte.

Vor allem die SchĂŒler der neuen EinfĂŒhrungsphase, die bereits im Mai an den Landtagswahlen teilgenommen haben, sehen der Bundestagswahl mit großem Interesse entgegen. „So macht der Politikunterricht Spaß“ war die einhellige Reaktion auf die Wahlen im Mai und „An den Bundestagswahlen möchten wir auch wieder teilnehmen“ formulierte Anna Steffen aus der damaligen 9d.

„Unsere Idee ist es, bei unseren SchĂŒler schon frĂŒhzeitig das demokratische Bewusstsein zu stĂ€rken und die Teilnahme an Wahlen zu einer SelbstverstĂ€ndlichkeit werden zu lassen, um demokratische Errungenschaften zu bewahren“, fasst die Fachkollegin und Stellvertretende Schulleiterin Frau Schneider zusammen.

Autorin: K. Schneider, StD'

Juniorwahlen in Klasse 9

In diesem Jahr nahm das Gymnasium Straelen das erste Mal an den Juniorwahlen zur Landtagswahl NRW 2017 teil

„
Politische Partizipation ist uns wichtig, auch wenn wir dafĂŒr einen hohen organisatorischen Aufwand betreiben mĂŒssen.“ berichtet Herr Scharmann am Freitagmittag, nachdem der Wahlvorstand alle Stimmen der Juniorwahlen 2017 ausgezĂ€hlt hatten.

Begonnen hatte das Projekt schon im Januar, als in Absprache mit der Schulleitung die Weichen fĂŒr das Projekt gestellt wurden. Frau Hoßbach und Frau Schneider waren von Anfang an große UnterstĂŒtzer des Projektes, welches in dieser frĂŒhen Phase noch recht ĂŒberschaubar war. Dann aber ging es los.

Anmeldeformulare mussten ausgefĂŒllt, Unterrichtsmaterialien bestellt und Wahlbenachrichtigungen ausgefĂŒllt und verteilt werden. Sogar eine Fortbildung im Plenarsaal des Landtags war Teil der intensiven Vorbereitung der Lehrer.

Als dann nach den Osterferien die Wahlbenachrichtigungen und Wahlzettel eintrafen ging es in die heiße Phase. Wahlprogramme musste studiert, Wahlplakate analysiert und der Kandidaten inspiziert werden. Am Ende dieser Vorbereitung stand dann die Wahl an.

Wahlhelfer und Wahlvorstand kontrollierten Wahlbenachrichtigungen, Personalausweise und sorgten fĂŒr einen reibungslosen Ablauf im Wahllokal, der fĂŒr die gesamte Woche, wĂ€hrend der Politikstunden der neunten Klassen, zur Wahl geöffnet hatte.

Anschließend wurden am Freitagnachmittag vom Wahlvorstand die Stimmen ausgezĂ€hlt, ausgewertet und an die Organisatoren der Juniorwahl ĂŒbermittelt. Das unterschriebene Protokoll wurde ebenfalls versiegelt und per Post nach Berlin zur Zentrale der Juniorwahlen geschickt. Ganz so wie es bei einer richtigen Wahl auch passiert.

Nach der AuszĂ€hlung der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 95,9% lag die die CDU bei den Erststimmen mit der Abgeordneten Margret Voßeler mit 51% der Stimmen vorne. Auch bei den Zweitstimmen gewann die CDU, hier mit 37% der WĂ€hlerstimmen. Neben den etablierten Parteien wie der CDU oder SPD wurden auch „exotischere“ Parteien wie „Die Violetten“ und „Schöner Leben“ mit jeweils 1% der Stimmen gewĂ€hlt. UngĂŒltige Stimmen gab es keine.

Im Nachhinein fanden es die SchĂŒler erstaunlich, dass die Ergebnisse ihrer Juniorwahl Ă€hnlich den Ergebnissen der Landtagswahlen sind. Eine differenzierte Auswertung fand im Unterricht statt.

Aus Sicht der SchĂŒler war die Landtagswahl „eine Erfahrung wert“, die sie gerne wiederholen möchten. Nach einem kurzen ResĂŒmee zur gelungenen Landtagswahl von Frau Schneider sprach diese schon vom nĂ€chsten Projekt der Sowi-Fachschaft am SGS: „Bei der Bundestagswahl 2017 nehmen wir nach Möglichkeit auf jeden Fall wieder teil, dort ist dann geplant, dass die OberstufenschĂŒler ihr Kreuz machen dĂŒrfen.“

Thomas Scharmann (Lehrer), Maja Bartz und Anne Hoverath (SchĂŒlerinnen Klasse 9)

„Respekt vor den Unterschieden – Toleranz in Zeiten von Migration und Integration“

„Respekt vor den Unterschieden – Toleranz in Zeiten von Migration und Integration“, so lautete die Leitfrage des Vortags von Dr. Wolfgang Thierse am Mittwoch, den 28.September 2016 in der Aula des Lisa-Meitner-Gymnasiums in Geldern. Nicht nur wir, die SOWI-Kurse der EF vom Straelener Gymnasium hörten zu, sondern auch SchĂŒler und SchĂŒlerinnen des Lisa-Meitner-Gymnasiums und des Berufskollegs in Geldern. Im Anschluss an den Vortrag hatte ich die Gelegenheit zu einem persönlichen GesprĂ€ch.

Der ehemalige BundestagsprĂ€sident eröffnete seinen Vortag mit der Feststellung „Wir leben in einem widersprĂŒchlichen Land, in dem es Menschen mit höchst unterschiedlichen Überzeugungen gibt.“ Zugleich stellte er die Frage „Doch wie können wir in offenen, freiheitlichen und pluralistischen Gesellschaft miteinander leben?“. Laut Thierse sollte man die wachsende und konfliktreiche PluralitĂ€t von Überzeugungen, Lebensauffassungen und WahrheitsansprĂŒchen tolerieren. Doch damit spricht er nicht von der gnĂ€digen Duldung, sondern vom „Streit im Respekt vor anderen Überzeugungen“. Jedoch braucht man, um tolerieren zu können, eine eigene Anschauung, welche man aktiv vertritt, um sich zu verstĂ€ndigen zu können. Desweiteren erlĂ€utert Thierse, dass wir nach grundlegenden Gemeinsamkeiten, z.B. die gemeinsame Vorstellung der Freiheit, SolidaritĂ€t und Gerechtigkeit suchen mĂŒssen.  Toleranz ist seiner Überzeugung nach unserem aktuellen Umfeld ein langfristiger Prozess und dieser bedarf andauernde BemĂŒhungen aller Seiten, da viele Menschen der Vielfalt von Überzeugungen und Lebensauffassungen, aber vor allem der Religion aktuell noch mit Angst und Hass gegenĂŒber stehen. Die Überwindung der Angst kann man nur durch gemeinsames Handeln, AufklĂ€rung und GesprĂ€che mindern, doch Hass mĂŒsste man widersprechen und entgegenstehen.  Denn das Problem, so Thierse, besteht darin, dass geschlossene Gesellschaften keine Zukunft haben. Nur offene und sich stets verĂ€ndernde Gesellschaften, die selbst VerĂ€nderungen zulassen, haben eine Zukunft.

In einem nachfolgenden Interview erzĂ€hlte Dr. Wolfgang Thierse, dass Toleranz in allen Altersgruppen eine Rolle spielt und deswegen die ToleranzfĂ€higkeit nicht nach Altersgruppen trennbar ist, da es sowohl möglich ist, dass die Unerfahrenheit von jungen Menschen fĂŒr weniger Voreinnahme sorgt und so mehr Toleranz ermöglicht. Andererseits können vor allem die Kriegs- und Fluchterfahrungen, die Ă€ltere Menschen in ihrem Leben machen mussten, fĂŒr mehr Toleranz sorgen.  Auch der ehemalige BundestagsprĂ€sident, der Breslau aufgewachsen ist, hat persönliche Erfahrungen mit Integration und Migration gemacht. Er spricht dabei von Minderheitserfahrungen, z.B. das Sprechen von FrĂ€nkisch anstatt von Hochdeutsch,  die durch Auslachen und in Frage Stellung provoziert wurden. Somit ist man Vorurteilen begegnet und hat aber gelernt sich nicht von diesen einnehmen zu lassen.  Durch seine Lebenserfahrung hat Thierse versucht nachzuvollziehen, was andere denken und empfinden. Daraus schließt er, dass „eine der elementaren, intellektuellen Voraussetzung fĂŒr ToleranzfĂ€higkeit ist, dass im eigenen Kopf mehr als ein Argument Platz hat“.  Dennoch gibt es fĂŒr ihn Grenzen der Toleranz: Thierse stimmt dem Zitat des Philosophen Karl Raimund Popper zu, dass man sich im Namen der Toleranz die Freiheit nehmen darf, die Intoleranz nicht zu tolerieren. Dabei spricht er vor allem die Gewalt an, die wir nicht tolerieren sollten. Stattdessen sollen wir die Vielfalt anerkennen und lernen andere Meinungen akzeptieren zu können und diese Vielfalt als eine persönliche, aber auch gesellschaftliche Bereicherung zu verstehen.

9. Oktober 2016, Carina Krajczewski